FREDERICK VIDAL

Diaprojektion "Falter"

22.03.2020 - 03.05.2020 | Kunst und Kultur

CORONAPRÄVENTION: NUR ONLINE! Frederick Vidal - ubi sunt

Passend zum Jahresthema der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2020 „Wissen & Forschen“ haben die Arbeiten Vidals oft einen wissenschaftlichen Ansatz.

Im Laufe der geplanten Ausstellungszeit präsentieren wir Ihnen die Ausstellungsideen in spannenden Schlaglichtern. Zur Ausstellung ubi sunt von Frederick Vidal ist ein begleitender Katalog erschienen, mit einem Text von Ursula Panhans-Bühler, den Sie gerne über uns bestellen können. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website unter dem Punkt „Publikationen“. In seiner Ausstellung ubi sunt in der Galerie im Marstall Ahrensburg sollten vor allem Fotografien seiner Werkgruppe „Falter“ neben weiteren Werken als Pigmentdrucke, auf dessen Rückseite Ort, Datum und eine Namensliste der abgebildeten Tiere notiert sind, gezeigt werden.

Zum Kernstück unserer Ausstellung ubi sunt von Frederick Vidal, der Werkgruppe "Falter", hier ein Zitat aus unserem Katalogtext „Fremde Verwandte“ von Ursula Panhans-Bühler: „Jedes Lebewesen sucht, solange es kann, einen Zugang oder eine Verbindung zum Licht – sogar die Nachtfalter, denen Frederick Vidal seit einigen Jahren einen Großteil seiner fotokünstlerischen Aufmerksamkeit widmet. Verfahrensweise und Ziel seiner fotografischen Arbeit respektieren einerseits entomologische Forschung, gelten zugleich aber einer Sensibilisierung unserer Wahrnehmung der Insekten – Flügelwesen, die seit undenklichen Zeiten die Welt bevölkern. Deren animalische Koexistenz muss uns nicht erst auffallen, wenn sie als hungrige Mitbewohner sich verstecken in Kleiderschränken und Küchenvorräten. Insekten haben seit Langem das Interesse von Naturwissenschaft und Kunst geweckt. Der konzeptuelle Ansatz von Vidals künstlerischer Arbeit lässt sich anhand einiger Vergleiche im Hinblick auf sein bilderzeugendes Verfahren beschreiben. So installiert er in Wäldern einen kleinen, gerüstartigen Aufbau, an dem er ein großes weißes Tuch aufspannt und diesem gegenüber eine Lampe befestigt, ausgerichtet auf das Tuch. Angezogen von dem reflektierten Licht fliegen nachtaktive Insekten auf das Tuch, Motten, aber auch andere Nachtfalter, und der Fotograf kann seine Aufnahme machen. Das Arrangement dient als optisches Auffangorgan für die Falter. Das Bildresultat ergibt sich als ein Streumuster, das die unterschiedlichsten Falter, größere und winzig kleine, auf dem Tuch erzeugen. Der Bildausschnitt ist durch die Ausrichtung des Objektivs auf dieses Rechteck vorgegeben.“ Aus der Werkserie "Falter" finden Sie einige Abbildungen auf unserer Website.

Weiter sollte die beeindruckende Arbeit “Wespen“, 2020 ergänzend in der Ausstellung präsentiert werden. Auch hierzu ein Zitat aus dem Katalogtext von Ursula Panhans-Bühler: „Insekten sind flüchtig, erst die Fotografie konnte sie in einem Verschlussmoment festhalten, ohne sie vorher zu mortifizieren. Hoefnagel konnte seine Studienobjekte nicht als lebendige Insekten aufnehmen, das ‚stille Leben‘ hätte nicht stillgehalten, und zudem musste er für das Studium ihrer feinsten Details sich einer nahrückenden Lupe bedienen. So war für ihn die Idee der „nature morte“ – „het stille leven“, wie im Niederländischen Stillleben heißen – stets mit einem „Memento mori“ verbunden. Diese Ideenverknüpfung scheint sich im Werk von Frederick Vidal zu verschieben, wenn er sich konzeptuell einerseits von jeglicher Strategie des Präparats verabschiedet, wie sie auch in einer isolierten Großaufnahme eines Objekts stecken kann, um sich andererseits Formen des animalischen Erscheinens und Verbergens zuzuwenden, der Mimikry als Verschmelzen mit der Situation oder dem Verschwinden einer Gruppe, in der Höhle. So wendet er sich auch Bienen und Wespen und deren Schwarmbildung zu. Die beiden Fotos, die dabei herausgekommen sind, sind vergleichsweise Nachtstücke, und dies nicht allein, weil in der Dichte ihres Zusammenlebens als Großgruppen kaum Platz für Luft und eindringendes Licht gewesen wäre, sondern weil es sich in beiden Fällen um ein verendetes Insektenvolk handelt. Bienenvölker überstehen manchmal nicht den Winter, und Wespenvölker legen keine Vorräte an, weshalb sie häufig den winterlichen Nahrungsmangel nicht überleben. Die toten Insekten legte Vidal wie Schwarmhaufen aus, die Bienen wurden ohne einen Rand aufgenommen, die Wespen zu einem Oval aufgehäuft auf einem schwärzlichen Tuch. Doch kann man dem dunkel leuchtenden dramatischen Gewirr von Formen beider Aufnahmen, das an caravaggeske Bilder der Barockzeit denken lässt, keine Totenstarre entnehmen, obgleich jegliche Fotografie ja einen Moment – don’t move – einfriert.“ Eine Abbildung der Arbeit "Wespen" finden Sie auf unserer Website und den Social-Media-Kanälen.

Frederick Vidal hatte für seine Ausstellung ubi sunt auch Diaprojektionen zur Werkgruppe "Falter" geplant. Er hat eine davon für uns gefilmt. Den Film finden Sie ebenfalls auf unserer Website und den Social-Media-Kanälen.

 Frederick Vidal ist 1977 in Marburg geboren. Von 2002-2008 studierte er Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel. 2009 war er Meisterschüler in der Klasse für experimentelle Fotografie bei Prof. Bernhard Prinz. Seit 2017  arbeitet er als freischaffender Künstler in Berlin und Hamburg.

 


Galerie im Marstall Ahrensburg
Lübecker Str. 8
22926 Ahrensburg
Geöffnet: Mittwoch, Samstag und Sonntag 11 –17 Uhr
www.galerie-im-marstall.de