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07.07.2020 | Kunst und Kultur

From the Collection / Aus der Sammlung: Jenny Schäfer

Die in Hamburg lebende Künstlerin Jenny Schäfer hatte in ihrer spannenden Ausstellung 2018 in der Galerie in der Wassermühle Trittau "Wertvolle Geräte" zu Alfred Rust geforscht und Verbindungen zur Gegenwart gezogen.


Wir haben die Künstler*innen gebeten unser Kurzinterview zu beantworten, einen Kurzfilm aus dem Atelier #livefromthestudio zu liefern sowie 2-3 Werkaufnahmen aktueller Arbeiten.
Das Kurzinterview sowie eine Abbildung der Werke aus unserer Sammlung finden Sie auf dem Stiftungsportal, die Werkabbildung sowie den Film auf den Social-Media-Kanälen der Galerie in der Wassermühle Trittau:
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Schauen Sie vorbei!

Kurzinterview: Drei Fragen an...Jenny Schäfer

Was verbindet Sie mit der Stiftung? 
Schon während meines Studiums an der HfbK Hamburg hörte ich oft von der Galerie in der Wassermühle Trittau und den dortigen Ausstellungen. Interessante Künstler*innen stellten dort aus und ich fragte mich in meinem teils bräsigem, teils umtriebigen Alltag als Studentin, was das wohl ist. Der Katalog der Künstlerin Ida Lennartson hat mich dann vollends überzeugt. Ich bewarb mich mit einem lokalen Projekt über die Ausgrabungen des Ahrensburger Archäologen Alfred Rust und konnte eine Ausstellung realisieren. Ich erinnere mich an die intensive Zusammenarbeit mit der damaligen Volontärin Julia Kölle, an den regen Austausch mit Dr. Katharina Schlüter und konnte auch die Archäologin Dr. Mara Weber aus Schloß Gottorf einbeziehen. 

Wie ist das Werk "3 Steinportraits" entstanden? 
Für meine Recherchen über die Ausgrabungen des norddeutschen Archäologen Alfred Rust fuhr ich nach Schleswig um die Ausgrabungen zu sehen und zu fotografieren. Dr. Mara Weber zeigte mir diverse Fundstücke. Ich portraitierte diese drei Steine auf Buchrücken.
Rust legte in den 1930er Jahren im Ahrensburger Tunneltal Rentierknochen und -Geweihe, Steine und daraus gefertigte Artefakte aus der späten Eiszeit frei und belegte damit erstmals die Existenz zweier Rentier-Jäger-Kulturen im bis dahin unbesiedelt geglaubten Norddeutschland. Ich habe über Monate hinweg zu den archäologischen Ausgrabungen der Region geforscht und fotografiert und war besonders beeindruckt, die Ausgrabungen da zu sehen, wo sie sich aktuell befinden, nachdem ich viel Zeit an den Fundorten verbracht hatte.

Woran arbeiten Sie aktuell? 
Mitte Juni hat die von Nina Lucia Groß kuratierte Gruppenausstellung „Dressuren der Durchlässigkeit“ im Jenaer Kunstverein eröffnet. Kurz davor hatte ich eine Ausstellung mit Clara Lena Langenbach im Künstler*innenhaus Sootbörn. Diese beiden Ausstellungen haben mich sehr eingenommen. Nun genieße ich die merkwürdig diffuse Zeit, nachdem man etwas abgeschlossen hat und denke über anstehende Ausstellungen nach. Dabei befasse ich mich immer wieder mit einer Archäologie des Alltags. Ich arbeite meist vor dem Hintergrund apokalyptischer Vorstellungen und formuliere dann künstlerische Utopien / Dystopien, die ihren Ausgangspunkt in der Warenwelt unserer Gegenwart haben. Dabei untersuche ich momentan den Begriff „Wellness“ und seine Übersetzung in Dekoobjekte.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.jennyschaefer.de