Ueberschrift hinzufuegen 9

Tipps für das anstehende Frühjahr – oder: Wenn es Gärtner:innen in den Fingern juckt

Haben Sie schon Ihre Pflanzenzucht auf der Fensterbank gestartet? Unsere Natur-Pädagogin Stefanie Hönig – Leiterin vom Küchengarten Schloss Eutin – gibt gute Tipps, mit denen man und frau jetzt im späten Winter bereits die kommende Gartensaison vorbereiten können.

von Stefanie Hönig

Besonders in diesem Jahr können wir den Fortschritt der Zeit kaum erwarten. Zum Glück lässt sich die Natur nicht beeindrucken von grassierenden Viren und Lockdowns. Doch bevor es draußen im Garten oder auf dem Balkon mit den ersten Pflanzungen losgehen kann, müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Die Nächte sind noch zu kalt, die Sonnenstunden zu gering, um das erste Grün sprießen zu lassen. Doch können wir uns die Wartezeit verkürzen mit Vorbereitungen für die kommende Gartensaison und einer Pflanzenzucht auf der Fensterbank. Alle Ideen lassen sich super zusammen mit Kindern umsetzen. Beim täglichen Beobachten von kleinen Pflänzchen verfliegen die restlichen Lockdown-Tage wie im Flug!

 

Idee #1: Anzuchttöpfe und kleine Gewächshäuschen aus Upcycling-Materialien basteln

Bereits Ende Februar können Kohlsorten, Lauch, Tomaten, Paprika, Aubergine und Kräuter an einem trockenen und hellen Ort vorgezogen werden. Beste Bedingungen erhalten die Samen zum Keimen in kleinen Gewächshäuschen, für die sich ganz einfach ausgediente Plastikschalen z.B. von Weintrauben verwenden lassen. Alternativ können kleine Töpfchen aus leeren Toilettenpapierrollen oder halben Tetra-Paks gebastelt werden. Um auch hier einen Gewächshauseffekt zu erzielen, die Gefäße einfach mit Frischhaltefolie überziehen, diese mit einem Gummiring fixieren. Nicht vergessen täglich zu lüften, damit sich kein Schimmel bildet.


Zum Vorziehen von Gemüse und Kräutern nicht die bereits mit Dünger versetzte Blumenerde verwenden. Anzuchterde ist nährstoffärmer und begünstigt die Ausbildung kräftiger Jungpflanzen. Zur Not kann auch Blumenerde mit etwas Sand oder Gartenerde „abgemagert“ werden.

 

Idee #2: Pflanzpläne für die kommende Saison

Bei einem Winterspaziergang im Sonnenschein überkommen einen oft die ersten Ideen, mit was und wie der Garten in der kommenden Saison bestückt werden soll. Um die Vorfreude gleich zu nutzen, schnappt man sich am besten Zettel und Stift und erstellt einen Pflanzplan. Für eine gelungene Planung bietet es sich an, eine genaue Skizze des Gartens mit den realen Abmessungen anzufertigen. Ist die Liste der erträumten Pflanzen fertig, lohnt es sich im Vorhinein den eigenen Samenbestand zu checken. Was ist noch in welcher Menge vorhanden? Was muss noch besorgt werden?

Tipp: Für Saatgut, das bereits älter als ein Jahr ist oder das selbst gewonnen wurde, lohnt sich die sogenannte „Keimprobe“. Einfach 10 – 20 Samenkörner auf ein gut durchfeuchtetes Papiertaschen- oder Küchentuch geben. Dieses an einem warmen Ort z.B. auf der Fensterbank über einer Heizung deponieren und regelmäßig mit Wasser besprühen, damit die Samen nicht austrocknen. Dunkelkeimer (z.B. Kürbis, Karotte, Erbse, Feldsalat, Bohnen, Mangold, Gurke…) mit einem zweiten Tuch bedecken oder das Tuch zusammenrollen und in einer Plastiktüte mit Luftlöchern packen. Sind die Samen nach 1 – 4 Wochen gekeimt, kann das Saatgut noch verwendet werden. Sind nur einige wenige Samen einer Sorte gekeimt, bei der Aussaat darauf achten, diese dichter zu legen.

 

Idee #3: Microgreens

Microgreens sind im Trend! Im Restaurant findet man sie immer öfter als Augenschmaus auf dem Teller. Und dabei können die grünen oder roten Farbtupfer noch viel mehr! Bei dem Mini-Grünzeug handelt es sich um die Keimlinge von Brunnenkresse, Rote Bete und Co. Sie sind super gesund, enthalten wertvolle Vitalstoffe wie Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe. Das liegt daran, dass in den Samen einer Pflanze bereits ein erstes Depot an Nährstoffen enthalten ist, die die Pflanze zu Beginn ihres Wachstums braucht. Lässt man die Pflanzen nun nicht zu ihrer vollen Größe reifen, steckt die geballte Kraft in den Mini-Exemplaren, wodurch sie zu den natürlichen „Superfoods“ gezählt werden. Der eigene Anbau ist denkbar einfach. Es werden lediglich ein Gefäß mit Rand wie Plastikbehälter, Holzkistchen oder auch eine Auflaufform oder ein Suppenteller benötigt. Diesen mit Aussaaterde befüllen und die Samen darüber streuen. Hierbei muss nicht auf besondere Abstände geachtet werden, da die Pflanzen ja bereits im Mini-Zustand geerntet werden. Die Samen vorsichtig andrücken, leicht mit Erde bestreuen und mit einer Sprühflasche bewässern. Das Pflanzgefäß am besten an einem hellen, warmen Ort aufstellen und täglich mit Wasser besprühen. Je nach Gemüseart kann es 9 – 12 Tage von der Aussaat bis zur Ernte dauern.

Im Prinzip eignet sich jedes Saatgut. Für Ungeduldige bieten sich schnellwüchsige Kräuter und Gemüsesorten an, wie Schnittsalate, Senf, Brokkoli, Kresse, Bohnen, Minze, Pak Choi, Rauke, Brunnenkresse, Buchweizen, Rotkohl, Radieschen, Blumenkohl, Basilikum, Amaranth, Fenchel, Dill, Koriander oder Kerbel.

Tipp: Microgreens am besten roh verzehren, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Dazu einfach über gekochte Gerichte streuen, in Salat oder Kräuterquark oder auch in einem Smoothie verarbeiten.

 

Idee #4: Saisonkalender aus Werbeprospekten basteln

Viele warten auf den Frühling nicht nur wegen der steigenden Temperaturen oder dem wiederkehrenden Grün, sondern freuen sich besonders auf die kulinarischen Genüsse wie Erdbeeren, Spargel und Co. Doch jedes Jahr wieder liegen Saisonfrüchte gefühlt kurz nach Weihnachten in den Supermarktregalen und müssen dafür von weither transportiert werden. Dabei entsteht unnötiger CO2-Ausstoß. Dabei hat insbesondere in unseren Breitengraden jede Jahreszeit allerhand Leckeres zu bieten. Um einen besseren Überblick zu erhalten, bietet es sich an, einen sogenannten „Saisonkalender“ in der Küche aufzuhängen. Dieser lässt sich ganz einfach selber basteln, daran haben auch Kinder großen Spaß. Am besten eignen sich Werbeprospekte oder ausgelesen Zeitschriften, um Obst- und Gemüsebilder auszuschneiden. Achtung: Diese dienen nicht unbedingt als Informationsquelle, wann welche Früchte Saison haben, da in unseren Supermärkten häufig alles zu jeder Zeit verfügbar ist. Besser ist es, eine verlässliche Quelle aus dem Internet zu Rate zu ziehen. Beim Basteln kommt neben der Bedeutung von Saisonalität mit Sicherheit auch die Regionalität zur Sprache. Für viele Kinder und auch Erwachsene wird es bestimmt den ein oder anderen Aha-Moment geben, dass manche Früchte gar nicht bei uns wachsen und es Äpfel immer erst ab dem Spätsommer frisch vom Baum gibt.