Ich bin wir – Selbstporträts aus Magazinen
Kunstworkshop mit Elena Prochnow
Fotos: Elena Prochnow
Zum zehnjährigen Jubiläum als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ war die Illustratorin und Kulturvermittlerin Elena Prochnow an der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein in Oldenburg i. H., Außenstelle Lensahn, zu Gast. An zwei Tagen setzte sie mit vier Klassen ihren Workshop „Ich bin wir“ um. Die Teilnehmenden waren zwischen 16 und über 40 Jahre alt, darunter auch angehende Heilpädagoginnen und Heilpädagogen.
Ausgangspunkt des Workshops waren ganz gewöhnliche Magazine, Kataloge und Prospekte. Gemeinsam gingen die Teilnehmenden der Frage nach: Welches Bild von Gesellschaft vermitteln diese Medien eigentlich?
Beim genaueren Hinsehen wurde schnell deutlich, wie einseitig die Bildwelten häufig sind: Zu sehen waren vor allem junge, schlanke, meist hellhäutige und oft blonde Menschen – digital geglättet und inszeniert nach engen Schönheitsidealen. Ältere Menschen, unterschiedliche Körperformen und Hautfarben, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit sichtbaren Spuren des Alltags blieben dagegen weitgehend unsichtbar.
Solche Bilder sind nicht neutral. Sie prägen unsere Vorstellungen davon, was als normal, schön oder erstrebenswert gilt. Sie beeinflussen auch, wer sich repräsentiert fühlt und wer in den medialen Bildern keinen Platz findet. Umso wichtiger ist es, solche Darstellungen bewusst wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen und eigene Perspektiven dagegenzusetzen.
Genau das geschah im kreativen Teil des Workshops: Ausgeschnittene Magazinbilder wurden zerschnitten, neu kombiniert und zu individuellen Selbstporträts zusammengesetzt. Es entstanden eigenwillige, vielfältige und ausdrucksstarke Werke, die gewohnte Sehweisen aufbrechen und neue Bilder von Identität und Zugehörigkeit entstehen lassen.
Begleitet wurde der Gestaltungsprozess von einem gemeinsamen Austausch über Rassismus, Antirassismus und Diversität. Dabei wurde deutlich, wie weit die medial vermittelten Schönheits- und Gesellschaftsbilder von der Vielfalt entfernt sind, die uns im Alltag tatsächlich begegnet.
Die entstandenen Porträts machen diese Vielfalt sichtbar. Gemeinsam erzählen sie von unterschiedlichen Identitäten, Perspektiven und Lebensrealitäten und davon, dass gerade diese Unterschiedlichkeit die Schulgemeinschaft stark macht. Ein eindrucksvoller Beitrag, um zehn Jahre Engagement gegen Diskriminierung zu würdigen und den Blick für ein vielfältiges Miteinander weiter zu schärfen.
Wir freuen uns, dass wir dieses Projekt mit unserer Förderung unterstützen konnten, und danken Elena Prochnow, dem Kollegium der Beruflichen Schule Lensahn sowie allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, ihre Kreativität und die lebhaften Gespräche.