07.03.2027 - 18.04.2027, 16:00 Uhr
Till Gerhard & Janus Hochgesand - Liminal
Unter dem Jahresthema Freiheit & Grenze versammelt die Galerie im Marstall Ahrensburg 2027 mit Till Gerhard und Janus Hochgesand zwei malerische Positionen, die den Grenzraum als produktiven Ort künstlerischer Erkenntnis begreifen.Freiheit existiert niemals jenseits der Grenze. Sie entsteht vielmehr an jener Schwelle, an der Ordnungen, Wahrnehmungen und Identitäten verhandelt werden.
Till Gerhard entwickelt Bildwelten von eigentümlicher Schönheit und subtiler Irritation. Seine großformatigen Landschaften verbinden Motive der Romantik, der Pop- und Gegenkultur mit mythischen und spirituellen Erzählformen. Figuren erscheinen als Wandernde, Suchende oder Ritualisierte; sie verschmelzen mit Wasser, Wald und Licht, während transparente Farbschichten und gestische Auflösungen die Grenzen zwischen Körper und Natur, Realität und Vision durchlässig werden lassen. Gerhards Malerei versteht Landschaft nicht als Abbild, sondern als philosophischen Denkraum über Utopie, Gemeinschaft und das ambivalente Verhältnis des Menschen zur Natur.
Demgegenüber steht Janus Hochgesands radikal gegenstandslose Malerei, deren Ursprung im körperlichen Akt liegt. Seine sogenannten High Intensity Paintings entstehen auf dem Atelierboden durch Schütten, Verdichten, Abtragen und erneutes Überlagern von Farbe, Pigment und Ölfarbe. Hände, Füße, Besen und Spachtel werden zu Werkzeugen einer performativen Praxis, in der das Bild weniger komponiert als ereignet wird. Sichtbar bleiben Spuren von Zeit, Bewegung und Material – Sedimente eines Prozesses, der sich jeder narrativen Eindeutigkeit entzieht und dennoch intensive Assoziationsräume eröffnet.
Obwohl beide Künstler formal gegensätzliche Wege beschreiten – hier die figurative, symbolisch aufgeladene Landschaft, dort die autonome Abstraktion – verbindet sie ein gemeinsames Interesse am Übergang. Gerhard lotet die Schwelle zwischen Mensch und Kosmos aus; Hochgesand untersucht jene zwischen Materie und Wahrnehmung. In beiden Werkkomplexen wird Malerei zum Ort der Transformation: Farbe wird Licht, Oberfläche wird Raum, Geste wird Erfahrung.
Die Ausstellung Liminal versteht Freiheit und Grenze daher nicht als Gegensätze, sondern als wechselseitig bedingte Zustände. Sie lädt dazu ein, jene Zwischenräume zu betreten, in denen sich Bedeutung erst im Sehen entfaltet – offen, vieldeutig und stets im Übergang.
Till Gerhard (*1971 in Hamburg) entwickelt nach dem Studium an der Muthesius Hochschule in Kiel und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg eine eigenständige Bildsprache, die zwischen Figuration und Abstraktion oszilliert. Heute lebt und arbeitet er im Norden Deutschlands. Gerhards großformatige Gemälde zeigen häufig ländliche Landschaften und Gemeinschaften, die von einer rätselhaften, traumartigen Atmosphäre durchdrungen sind. Seine Arbeiten greifen Themen wie Mythologie, Spiritualität, schamanische Rituale und das Verhältnis von Mensch und Natur auf und verbinden präzise Malerei mit expressiven Farbspuren und Verwischungen. Seine Werke wurden international in renommierten Museen und Galerien ausgestellt, darunter die Hamburger Kunsthalle, die Whitechapel Gallery in London, die Stellan Holm Gallery in New York sowie Galerien in Berlin, Oslo, Stockholm und Madrid. Arbeiten von Till Gerhard befinden sich zudem in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter der Hamburger Kunsthalle, der Saatchi Collection und der Jumex Collection.
Janus Hochgesand (*1981 in Dierdorf) lebt und arbeitet seit 2010 in Hamburg. Sein Studium führte ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, an die Esmeralda Escuela Nacional de Pintura in Mexiko-Stadt sowie an die Städelschule Frankfurt, wo er 2009 als Meisterschüler von Tobias Rehberger abschloss. Hochgesands Werk zeichnet sich durch eine expressive, abstrakte Bildsprache aus, in der Farbe, Bewegung und Materialität eine zentrale Rolle spielen. Neben der Malerei entwickelt er interdisziplinäre Live-Painting-Performances, bei denen Bildende Kunst mit Musik, Literatur und Theater zu einem immersiven Kunsterlebnis verschmilzt. Seine Arbeiten werden national und international in Museen, Galerien und auf Kunstmessen präsentiert. Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem der Hamburg New Positions Art Prize (2023), das Hamburger Zukunftsstipendium (2021) sowie mehrere Stipendien der Stiftung Kunstfonds und der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz.