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30.10.2027 - 12.12.2027, 16:00 Uhr

Lena Krüger - On Imprints, Afterimages and Ghosts

Lena Krüger widmet sich in dieser Ausstellung den Spuren, Nachbildern und Geistern, die Dinge, Bilder und Erzählungen in unserem kulturellen und persönlichen Gedächtnis hinterlassen.

Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis ist die Auseinandersetzung mit Erinnerung als einem dynamischen Prozess des Übersetzens, Transformierens und Neuverhandelns. Grundlage der Ausstellung bilden Fragestellungen, die die Künstlerin seit mehreren Jahren in ihren Arbeiten verfolgt und die sich mit den Bedingungen von Wahrnehmung, Wissen und kulturellem Gedächtnis beschäftigen.

Im Rahmen des Jahresthemas Freiheit & Grenze der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn richtet die Ausstellung den Blick auf die oft unsichtbaren Systeme, die unser Erinnern und Verstehen strukturieren. Archive, Sammlungen und Ordnungssysteme schaffen Orientierung, setzen aber zugleich Grenzen dessen, was bewahrt, erzählt und sichtbar gemacht wird. Sie sind dabei niemals neutral, sondern spiegeln gesellschaftliche Machtverhältnisse wider: Sie entscheiden darüber, welche Perspektiven sichtbar werden, welche Geschichten fortgeschrieben und welche Erfahrungen ausgeblendet werden. Die Freiheiten und Begrenzungen, die aus solchen Ordnungen hervorgehen, sind daher nicht für alle gleichermaßen verhandelbar, sondern gehen häufig mit Prozessen des Ein- und Ausschlusses einher. Zwischen diesen Polen entfaltet sich ein Spannungsfeld, das Krügers künstlerische Praxis grundlegend prägt: die Verhandlung von Freiheit und Begrenzung innerhalb kultureller, materieller und gedanklicher Ordnungen.

Krügers Arbeiten bewegen sich zwischen physischer und digitaler Sphäre, zwischen Archiv und Erzählung, zwischen Sichtbarkeit und Verlust. Objekte werden gesammelt, gescannt, übertragen, vervielfältigt oder in neue materielle Zustände überführt. Im Verlauf dieser Prozesse verlieren sie ihre ursprüngliche Lesbarkeit und öffnen sich für neue, vieldeutige Interpretationen. Die Grenzen zwischen Original und Kopie, Gegenwart und Vergangenheit, Fakt und Fiktion beginnen zu verschwimmen. Freiheit erscheint hier als Möglichkeit, Bedeutung neu zu verhandeln; Grenzen werden zu durchlässigen Zonen der Transformation und des Perspektivwechsels.

Spuren vergangener Ereignisse, Nachbilder von Wahrnehmungen und die geisterhafte Präsenz des Abwesenden bilden wiederkehrende Motive der Ausstellung. Dabei entstehen Arbeiten, die vermeintlich feste Ordnungen hinterfragen und den Zwischenräumen von Wissen, Erinnerung und Imagination Aufmerksamkeit schenken. Krüger lädt dazu ein, die Vielschichtigkeit von Wirklichkeit als offenes Gefüge zu begreifen und den Momenten nachzuspüren, in denen sich neue Perspektiven auf das Bekannte eröffnen. So entsteht ein poetischer Denkraum, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit, Materielles und Imaginäres, Sichtbares und Verborgenes überlagern.

 

Lena Krüger (*1987 in Hamburg), lebt und arbeitet in Kiel. Sie studierte an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, der Michaelis School Of Fine Arts in Kapstadt und an der Akademie der Künste in Umeå. Sie erhielt unter anderem ein Graduierten-Stipendium des DAAD und das Arbeitsstipendiums des Landes Schleswig-Holstein. Lena Krüger arbeitet zeichnerisch und installativ an der Sichtbarmachung von konstitutiven Strukturen in übergeordneten Kontexten. Perspektiv- und Ortswechsel sind dabei seit jeher elementarem Bestandteil ihrer Auseinandersetzung mit der Welt.